Prämienregionen und Kantone: Warum Ihr Wohnort die Prämie bestimmt
Stand: 2026-07-187 Min. Lesezeit
Krankenkassenprämien hängen in der Schweiz direkt vom Wohnort ab: Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) teilt die Kantone in Prämienregionen ein – höchstens drei pro Kanton –, und massgebend ist die Gemeinde, in der Sie wohnen. Dieselbe Grundversicherung bei derselben Kasse kann darum in der Nachbarregion spürbar anders kosten, obwohl die Leistungen überall identisch sind. Dieser Artikel erklärt, wie das Regionensystem funktioniert, warum die Unterschiede zwischen den Kantonen so gross sind, was es mit den drei Altersklassen auf sich hat – und was bei einem Umzug mit Ihrer Prämie passiert.
So funktioniert das System der Prämienregionen
Die Grundversicherung nach KVG bietet in der ganzen Schweiz denselben Leistungskatalog – die Prämien dafür sind aber regional abgestuft. Die gesetzliche Grundlage: Die Versicherer dürfen ihre Prämien nach Kantonen und Regionen abstufen, wobei das EDI die Regionen für alle Versicherer einheitlich festlegt und auch die maximal zulässigen Prämienunterschiede zwischen den Regionen begrenzt. Grundlage für die Einteilung sind die Kostenunterschiede zwischen den Gemeinden: Ein Kanton bildet eine einzige Prämienregion, wenn die Kosten überall ähnlich sind, oder er wird in zwei bis höchstens drei Regionen unterteilt, wenn sie sich deutlich unterscheiden – typischerweise mit den grossen Zentren in der teuersten Region.
Für Sie zählt allein der Wohnsitz: Ihre Wohngemeinde – im Alltag meist über die Postleitzahl ermittelt – bestimmt, in welcher Prämienregion Sie versichert sind. Innerhalb derselben Region verlangt eine Kasse für dasselbe Profil aus Altersklasse, Franchise, Modell und Unfalldeckung denselben Tarif, egal an welcher Strasse Sie wohnen. Zwischen zwei Regionen desselben Kantons kann die Prämie dagegen unterschiedlich ausfallen – wer nahe an einer Regionsgrenze wohnt, zahlt unter Umständen anders als die Nachbargemeinde ein paar Kilometer weiter. Der Arbeitsort, der Ort der Arztpraxis oder des Spitals spielen für die Prämie dagegen keine Rolle.
Warum die Kantone so unterschiedlich teuer sind
Prämien sind keine Steuer, sondern müssen die erwarteten Leistungskosten der Versicherten in der jeweiligen Region decken. Wo die Gesundheitskosten höher liegen, liegen auch die Prämien höher. Die wichtigsten Treiber sind das allgemeine Kostenniveau der medizinischen Versorgung, die Dichte an Arztpraxen, Spezialistinnen und Apotheken, die Spitalstruktur und deren Kosten sowie die Altersstruktur und das Inanspruchnahmeverhalten der Bevölkerung. Tendenziell liegen städtisch geprägte Regionen mit dichter Versorgung über dem Landesdurchschnitt, ländliche Regionen darunter – wo viele Anbieter in Reichweite sind, werden im Schnitt auch mehr Leistungen bezogen.
Das ist keine Wertung, sondern schlicht der Mechanismus des Systems: Die Prämie bildet die Kosten der Region ab, nicht Ihre individuelle Nutzung. Eine gesunde Person in einer teuren Region zahlt deshalb mehr als eine vergleichbare Person in einer günstigen Region – daran ändert auch ein Kassenwechsel nichts. Was der Wechsel sehr wohl kann: den Unterschied zwischen den Kassen innerhalb Ihrer Region ausschöpfen. Denn auch in derselben Region verlangen die Versicherer unterschiedliche Prämien – jede Kasse kalkuliert auf Basis ihres eigenen Versichertenbestands und ihrer Kosten, und das BAG prüft und genehmigt die Prämien jährlich. Ihr Sparpotenzial liegt also nicht im Wohnort, sondern in der Wahl von Kasse, Modell und Franchise innerhalb Ihrer Region.
Kinder, junge Erwachsene, Erwachsene: die drei Altersklassen
Das KVG kennt drei Altersklassen mit eigenen Prämien: Kinder bis 18 Jahre, junge Erwachsene von 19 bis 25 Jahren und Erwachsene ab 26 Jahren. Für Kinder ist eine tiefere Prämie gesetzlich vorgeschrieben, für junge Erwachsene dürfen die Kassen eine tiefere ansetzen – was heute praktisch alle tun. Massgebend ist das Kalenderjahr, nicht der Geburtstag: Sie wechseln die Altersklasse jeweils auf den 1. Januar des Jahres, in dem Sie 19 beziehungsweise 26 werden. Die Kinderprämie gilt also noch bis Ende des Jahres, in dem das 18. Altersjahr vollendet wird; die Prämie für junge Erwachsene bis Ende des Jahres, in dem Sie 25 werden. Innerhalb einer Altersklasse spielt das genaue Alter keine Rolle: Eine 30-jährige Person zahlt bei derselben Kasse in derselben Region und mit demselben Profil denselben Tarif wie eine 60-jährige – individuelle Alterszuschläge kennt die Grundversicherung nicht.
Dass junge Erwachsene tiefere Prämien zahlen als Erwachsene, hat einen konkreten Hintergrund: Seit einer Gesetzesänderung, die 2019 wirksam wurde, werden die Versicherer im Risikoausgleich für ihre 19- bis 25-jährigen Versicherten entlastet. Sie müssen für diese Gruppe weniger in den Ausgleich zwischen den Kassen einzahlen und können diesen Spielraum in Form tieferer Prämien für junge Erwachsene weitergeben. Wie gross der Rabatt gegenüber der Erwachsenenprämie ausfällt, ist nicht einheitlich vorgeschrieben und unterscheidet sich von Kasse zu Kasse – gerade in dieser Altersklasse lohnt sich ein eigener Vergleich deshalb besonders.
Kinderprämien sind nochmals deutlich tiefer angesetzt als die Prämien für junge Erwachsene. Für Kinder gelten zudem eigene Franchisestufen von CHF 0 bis 600 und ein tieferer maximaler Selbstbehalt – wie Sie diese Stufen wählen, zeigt unser Artikel zur Franchisewahl. Beim Übertritt in die nächste Altersklasse passt die Kasse die Prämie automatisch an; ein guter Anlass, den Vergleich neu zu rechnen, ist der Wechsel trotzdem.
Umzug: Was mit Ihrer Prämie passiert
Ziehen Sie innerhalb der Schweiz um, melden Sie die neue Adresse Ihrer Krankenkasse. Liegt der neue Wohnort in einer anderen Prämienregion, passt die Kasse Ihren Tarif an – nach oben oder nach unten, je nachdem, ob die neue Region teurer oder günstiger eingestuft ist. Versicherung, Modell und Franchise laufen dabei unverändert weiter; es ändert nur der Tarif, der zu Ihrer neuen Region gehört. Bleiben Sie in derselben Prämienregion, ändert sich an der Prämie nichts.
Ein verbreiteter Irrtum: Ein Umzug innerhalb der Schweiz begründet kein ausserordentliches Kündigungsrecht. Auch wenn die Prämie am neuen Wohnort steigt, können Sie die Grundversicherung nur auf die ordentlichen Termine wechseln – in der Regel auf Ende Jahr, mit Kündigung bei Ihrer Kasse bis zum 30. November. Wer die ordentliche (tiefste) Franchise und das Standardmodell hat, kann zusätzlich unter dem Jahr auf Ende Juni kündigen, mit dreimonatiger Frist. Einzige Ausnahme: Ist Ihre Kasse am neuen Wohnort gar nicht tätig (rein regional tätige Versicherer), müssen Sie die Kasse beim Umzug wechseln – auch ausserhalb der ordentlichen Termine. Sinnvoll ist deshalb: nach dem Umzug die Adresse sofort melden, in Ruhe die Angebote in der neuen Region vergleichen und auf den nächsten ordentlichen Termin wechseln, falls sich ein Wechsel lohnt.
- Adresse der Kasse melden – die Prämie wird auf den Tarif der neuen Region umgestellt.
- Kein Sonderkündigungsrecht wegen Umzugs – es gelten die ordentlichen Kündigungstermine.
- Vergleich neu rechnen: In der neuen Region kann eine andere Kasse die günstigste sein.
- Beim Umzug ins Ausland gelten andere Regeln – dieser Artikel behandelt den Umzug innerhalb der Schweiz.
Vergleichen Sie nur innerhalb Ihrer eigenen Region
Prämienvergleiche sind nur innerhalb Ihrer eigenen Prämienregion aussagekräftig. Der Tarif, den eine Bekannte in einem anderen Kanton zahlt, sagt nichts darüber aus, was dieselbe Kasse bei Ihnen verlangt – gleiche Kasse, gleiches Modell und gleiche Franchise können in einer anderen Region deutlich anders kosten. Auch Ranglisten der günstigsten Kassen verschieben sich von Region zu Region: Wer in der einen Region vorne liegt, kann in der nächsten im Mittelfeld stehen.
Unser Rechner nimmt Ihnen die Zuordnung ab: Sie geben Ihre Postleitzahl ein, der Rechner ermittelt daraus die offizielle Prämienregion und vergleicht anschliessend ausschliesslich Tarife, die für genau diese Region und Ihre Altersklasse gelten – auf Basis der offiziellen Prämiendaten des BAG. So vergleichen Sie garantiert Gleiches mit Gleichem: dieselbe Region, dieselbe Altersklasse, dieselbe Franchise und dieselbe Unfalldeckung.
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Jetzt Prämien vergleichenHäufige Fragen zum Thema
01Was ist eine Prämienregion?+
Eine Prämienregion ist ein vom EDI einheitlich festgelegtes Gebiet, innerhalb dessen eine Krankenkasse für dasselbe Profil denselben Grundversicherungstarif verlangt. Ein Kanton bildet eine bis höchstens drei solcher Regionen; eingeteilt wird nach den Kostenunterschieden zwischen den Gemeinden. Massgebend für Ihre Region ist Ihre Wohngemeinde.
02Warum zahle ich mehr als jemand in einem anderen Kanton?+
Die Prämien müssen die erwarteten Gesundheitskosten der Versicherten in der jeweiligen Region decken. Kantone und Regionen unterscheiden sich beim Kostenniveau, bei der Dichte an Ärzten und Spitälern und bei der Altersstruktur der Bevölkerung – entsprechend unterschiedlich fallen die Prämien aus, obwohl die Leistungen der Grundversicherung überall gleich sind.
03Ändert sich meine Prämie, wenn ich umziehe?+
Ja, wenn der neue Wohnort in einer anderen Prämienregion liegt: Die Kasse stellt Ihren Tarif auf die neue Region um – je nach Region nach oben oder nach unten. Melden Sie die neue Adresse deshalb direkt Ihrer Krankenkasse. Bleiben Sie in derselben Prämienregion, ändert sich an der Prämie nichts.
04Kann ich wegen eines Umzugs sofort die Krankenkasse wechseln?+
In aller Regel nein. Ein Umzug innerhalb der Schweiz begründet kein ausserordentliches Kündigungsrecht – auch dann nicht, wenn die Prämie am neuen Wohnort steigt. Es gelten die ordentlichen Termine: Kündigung auf Ende Jahr bis zum 30. November, bei ordentlicher (tiefster) Franchise und Standardmodell zusätzlich auf Ende Juni mit dreimonatiger Frist. Einzige Ausnahme: Ist Ihre Kasse am neuen Wohnort gar nicht tätig (rein regional tätige Versicherer), müssen Sie die Kasse beim Umzug wechseln.
05Warum zahlen junge Erwachsene weniger als Erwachsene?+
Seit einer 2019 wirksam gewordenen Gesetzesänderung werden die Versicherer im Risikoausgleich für ihre 19- bis 25-jährigen Versicherten entlastet. Diesen Spielraum können sie als tiefere Prämien für junge Erwachsene weitergeben. Wie gross der Rabatt ausfällt, entscheidet jede Kasse selbst – ein Vergleich lohnt sich in dieser Altersklasse deshalb besonders.