Hausarzt, HMO oder Telmed? Die Sparmodelle der Grundversicherung im Vergleich
Stand: 2026-07-189 Min. Lesezeit
Wer in der Grundversicherung die völlig freie Arztwahl behalten will, bezahlt dafür die höchste Prämie. Die Alternative sind die sogenannten Sparmodelle: Hausarztmodell, HMO und Telmed. Sie senken die Prämie je nach Kasse und Region meist um 10 bis 25 Prozent – bei exakt gleichen Leistungen. Dieser Artikel erklärt, wie die drei Modelle funktionieren, welche Spielregeln sie verlangen und wie Sie das Modell finden, das zu Ihrem Alltag passt.

Gleiche Leistungen, anderer Weg zur Behandlung
Im Standardmodell der Grundversicherung wählen Sie bei jeder Behandlung frei, zu welcher Ärztin oder welchem Arzt Sie gehen. Diese Freiheit hat ihren Preis: Das Standardmodell ist durchgehend die teuerste Variante. Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) erlaubt den Kassen deshalb besondere Versicherungsformen mit einer eingeschränkten Wahl der ersten Anlaufstelle – im Gegenzug sinkt die Prämie.
Entscheidend ist: Der Leistungskatalog der Grundversicherung ist gesetzlich festgelegt und in jedem Modell exakt derselbe. Ob Operation, Medikament oder Spitalaufenthalt – was die Kasse bezahlt, hängt nicht vom Modell ab. Mit dem Modell legen Sie in erster Linie fest, über welchen Weg Sie zur Behandlung gelangen: direkt, über Ihren Hausarzt, über eine Gruppenpraxis oder über eine medizinische Beratungsstelle.
Alternative Modelle bieten die meisten Kassen an – aber nicht jede Kasse führt jedes Modell in jeder Region. Ob an Ihrem Wohnort ein HMO-Zentrum im Angebot ist oder welche Kassen ein Telmed-Modell führen, zeigt deshalb erst der konkrete Prämienvergleich für Ihre Region.
Freie Arztwahl: das Standardmodell
Im Standardmodell gehen Sie zu jedem Arzt oder Spezialisten – ohne Umweg, ohne Überweisung. Das ist der direkteste Zugang zum Gesundheitssystem, und genau dafür bezahlen Sie: Das Standardmodell ist meist die teuerste Variante – je nach Kanton und Krankenkasse oft CHF 45 bis 80 mehr pro Monat als das Hausarztmodell bei Erwachsenen.
- Vorteil: direkter Zugang zu jedem Facharzt, auch ohne Überweisung.
- Nachteil: meist die teuerste Variante.
- Für wen: wer mehrere Fachärzte braucht oder Flexibilität wichtiger findet als die Einsparung.
Ihr Hausarzt zuerst: das Hausarztmodell
Bei Beschwerden gehen Sie immer zuerst zu Ihrer gewählten Hausärztin oder Ihrem gewählten Hausarzt – meist aus einer Liste der Kasse. Braucht es eine Spezialistin oder einen Spezialisten, überweist der Hausarzt und koordiniert die weitere Behandlung. Für viele ist das ohnehin gelebte Praxis: Wer den Hausarzt sowieso zuerst aufsucht, bezahlt im Modell schlicht weniger für dasselbe Verhalten.
- Vorteil: eine feste Vertrauensperson, die Sie kennt und Befunde, Medikamente und Überweisungen koordiniert. Weil Sie sich auf eine Anlaufstelle festlegen, sparen Sie dafür je nach Kanton und Kasse oft CHF 45 bis 80 pro Monat gegenüber dem Standardmodell.
- Nachteil: Für Spezialisten brauchen Sie zuerst eine Überweisung vom Hausarzt.
- Für wen: Familien und alle mit einer festen Hausarztbeziehung.
Die Gruppenpraxis als Basis: das HMO-Modell
Bei Beschwerden gehen Sie zuerst in ein vertragsgebundenes Gesundheitszentrum – eine HMO-Gruppenpraxis, mit der Ihre Kasse zusammenarbeitet. Dort arbeiten Ärztinnen, Ärzte und oft weitere Fachpersonen unter einem Dach; Überweisungen laufen über die Praxis. HMO-Zentren stehen vor allem in Städten und Agglomerationen – das Modell setzt voraus, dass eine Praxis in erreichbarer Nähe liegt.
- Vorteil: mehrere Fachrichtungen unter einem Dach. Weil Sie sich auf diese Praxis festlegen, sparen Sie dafür je nach Kanton und Kasse oft CHF 45 bis 130 pro Monat gegenüber dem Standardmodell.
- Nachteil: feste Praxis, weniger freie Arztwahl als beim Hausarztmodell.
- Für wen: wer selten krank ist und eine hohe Einsparung sucht – und ein HMO-Zentrum in der Nähe hat.
Zuerst ans Telefon: das Telmed-Modell
Bei Beschwerden rufen Sie zuerst eine medizinische Hotline an – telefonisch, bei vielen Kassen auch per App oder Video. Medizinische Fachpersonen schätzen Ihre Situation ein, geben Empfehlungen zur Selbstbehandlung oder leiten Sie an Arztpraxis, Spezialist oder Notfallstation weiter. Bei Notfällen dürfen Sie direkt gehen; bei Bagatellen wie einer Erkältung gilt: zuerst anrufen.
Weniger bekannt: Telmed ist nicht mehr automatisch am günstigsten. Bei etlichen Krankenkassen ist heute das Hausarzt- oder HMO-Modell günstiger – die Rangfolge der Modelle unterscheidet sich je nach Kasse und Region (siehe SRF-Bericht in den Quellen). Verlassen Sie sich deshalb nicht auf alte Faustregeln, sondern vergleichen Sie die Modelle konkret für Ihr Profil.
- Vorteil: rund um die Uhr erreichbar – auch am Wochenende, wenn die Hausarztpraxis geschlossen hat; völlig ortsunabhängig.
- Nachteil: Auch Bagatellfälle beginnen mit einem Anruf – wer lieber direkt in die Praxis geht, wird mit den Regeln nicht glücklich.
- Für wen: flexible, digital-affine Versicherte, die Anliegen gerne zuerst telefonisch klären.
Die Apotheke als erste Anlaufstelle: das Apotheken-Modell
Einige Kassen bieten zusätzlich Apotheken-Modelle an: Bei Beschwerden gehen Sie zuerst in eine Partnerapotheke Ihrer Krankenkasse. Die Apotheke klärt Bagatellfälle direkt und ist oft mit einer Telmed-Hotline als Rückversicherung kombiniert – je nach Kanton eine günstige Alternative zu den bekannteren Sparmodellen.
- Vorteil: kurzer Weg für Bagatellfälle, oft kombiniert mit einer telefonischen Beratung als zweiter Stufe.
- Nachteil: nicht überall verfügbar, und die Wahl ist auf die Partnerapotheken der Kasse beschränkt.
- Für wen: wer eine Partnerapotheke in der Nähe hat und Bagatellfälle schnell klären will. Ob ein Apotheken-Modell an Ihrem Wohnort verfügbar ist, klären wir gerne mit Ihnen – kostenlos und unverbindlich.
Die Spielregeln: Erstkontakt, Ausnahmen, Konsequenzen
Die Ersparnis der Sparmodelle liegt je nach Kasse und Region meist bei 10 bis 25 Prozent gegenüber dem Standardmodell. Im Gegenzug verpflichten Sie sich auf einen verbindlichen ersten Schritt: zuerst der Hausarzt, zuerst die Gruppenpraxis, zuerst die Hotline oder zuerst die Apotheke. Diese Regel ist keine Formalität – sie ist der Grund, weshalb die Kasse die tiefere Prämie anbieten kann.
Wichtig zu wissen: Die Regeln gelten nicht überall gleich. Jede Krankenkasse regelt in ihrem Reglement selbst, wie Details und Deckungen aussehen – die Ausnahmen unterscheiden sich von Kasse zu Kasse. Üblich sind bei Hausarzt-, HMO- und Telmed-Modellen diese direkten Zugänge ohne Überweisung oder Hotline-Anruf:
- Notfälle: Bei akuter Gefahr gehen Sie direkt in die Notaufnahme oder rufen die Ambulanz – der Erstkontakt entfällt.
- Frauenarzt: jährliche Kontrolluntersuchungen sind in der Regel direkt zugänglich.
- Augenarzt: Kontrolluntersuchungen sind meist ebenfalls vom Erstkontakt ausgenommen.
- Kinderarzt: Untersuchungen beim Kinderarzt sind bei vielen Kassen bis zum Alter von meist 16 Jahren direkt zugänglich.
Frauengesundheit: freier Zugang heisst nicht jährlich bezahlte Vorsorge
Auch wenn Sie direkt zur Frauenärztin dürfen: Die Grundversicherung übernimmt die gynäkologische Vorsorgeuntersuchung mit Krebsabstrich nur alle drei Jahre – nach zwei unauffälligen Jahreskontrollen zu Beginn. Das ist eine landesweite Regel der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) und gilt unabhängig vom gewählten Modell. Der Modellzugang regelt also nur den Weg zur Ärztin – nicht, in welchem Rhythmus die Vorsorge von der Grundversicherung bezahlt wird; häufigere Kontrollen gehen zulasten von Franchise und Selbstbehalt oder sind medizinisch begründet.
Unsicher, welches Modell zu Ihrer Situation passt? Fragen Sie einfach nach – wir melden uns gerne persönlich, unverbindlich und kostenlos.
Was passiert, wenn Sie den vereinbarten Weg umgehen?
Gehen Sie im Hausarztmodell direkt zum Spezialisten oder lassen Sie im Telmed-Modell den Anruf weg, entscheidet das Reglement Ihrer Kasse über die Folgen: Je nach Kasse gibt es zunächst eine Verwarnung, eine Kürzung der Leistungen oder die Umteilung ins teurere Standardmodell. Die Ersparnis ist also an die Regeltreue gebunden.
Lesen Sie das Reglement deshalb vor dem Abschluss – es ist das massgebende Dokument für Ausnahmen und Sanktionen. Ein Modell, dessen Regeln Sie realistisch einhalten, spart zuverlässig; eines, dessen Regeln Sie regelmässig umgehen würden, wird zum Risiko statt zum Sparhebel.
Welches Modell passt zu wem?
Die Modellwahl ist weniger eine Rechenaufgabe als eine Alltagsfrage: Entscheidend ist, welchen Weg zur Behandlung Sie ohne Mühe einhalten. Als Faustregel hat sich bewährt:
- Hausarztmodell: für alle, die eine feste Hausärztin oder einen festen Hausarzt haben und schätzen, dass eine Person Befunde, Medikamente und Überweisungen im Überblick behält.
- HMO-Modell: wenn eine Gruppenpraxis gut erreichbar ist – typischerweise in Städten und Agglomerationen.
- Telmed-Modell: für flexible, digital-affine Versicherte, die Anliegen gerne zuerst telefonisch oder per App klären – auch unterwegs.
- Apotheken-Modell: wer eine Partnerapotheke in der Nähe hat und Bagatellfälle schnell klären will – sofern die eigene Kasse es anbietet.
- Standardmodell: für maximale Freiheit bei der Arztwahl – zum höchsten Preis.
Vier Situationen aus dem Alltag – und welches Modell dazu passt
So sehen die Faustregeln in konkreten Lebenslagen aus. Es sind bewusst Alltagssituationen, keine medizinischen Empfehlungen – bei laufenden Behandlungen besprechen Sie einen Modellwechsel am besten zuerst mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt:
- Die 28-jährige Pendlerin, die höchstens einmal im Jahr eine Arztpraxis sieht: Telmed passt – Anliegen lassen sich vom Zug aus telefonisch oder per App klären, rund um die Uhr. Ob Telmed, Hausarzt oder HMO für sie am günstigsten ist, zeigt der Vergleich – die Rangfolge unterscheidet sich je nach Kasse.
- Die vierköpfige Familie mit langjährigem Hausarzt im Dorf: Hausarztmodell – die erste Anlaufstelle ist ohnehin immer dieselbe Praxis, das Modell ändert am gelebten Alltag nichts und senkt die Prämie trotzdem spürbar.
- Der 45-jährige Städter, drei Tramstationen von einer Gruppenpraxis entfernt: HMO – kurze Wege, alle Grundleistungen unter einem Dach, und die HMO-Modelle gehören vielerorts zu den günstigsten.
- Die Person in laufender Behandlung bei zwei Spezialisten: Standardmodell prüfen – wer regelmässig direkt zu Spezialistinnen und Spezialisten geht, umgeht in Sparmodellen schnell den vereinbarten Erstkontakt und riskiert Leistungskürzungen; hier kann sich der Aufpreis für die freie Arztwahl rechtfertigen.
Modell wechseln, ohne die Kasse zu wechseln
Ein Modellwechsel ist kein Kassenwechsel: Sie bleiben bei Ihrer Kasse und ändern nur die Versicherungsform. In ein alternatives Modell können Sie je nach Kasse oft auch während des Jahres wechseln; der Weg zurück ins Standardmodell ist bei vielen Kassen auf den Folgemonat möglich. Verbindlich sind auch hier die Bestimmungen im Reglement Ihrer Kasse – fragen Sie im Zweifel nach, bevor Sie umstellen.
Modell und Franchise lassen sich zudem kombinieren: Die Ersparnis des Modells und der Prämienrabatt einer höheren Franchise wirken zusammen. Wie Sie die Franchise richtig wählen, behandelt unser Ratgeber zur Franchise im Detail.
Für den Vergleich heisst das: Prüfen Sie nicht nur Kassen, sondern auch Modelle. Unser Rechner fragt das gewünschte Modell im ersten Schritt ab und vergleicht auf Wunsch alle Modelle über alle Kassen Ihrer Region – sortiert nach der tiefsten Prämie. Häufig ergibt erst die Kombination aus Kassen- und Modellvergleich das volle Sparpotenzial.
Und was heisst das für Ihre Prämie?
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Jetzt Prämien vergleichenHäufige Fragen zum Thema
01Sind die Leistungen im Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell schlechter?+
Nein. Der Leistungskatalog der Grundversicherung ist gesetzlich festgelegt und in jedem Modell identisch. Die Modelle unterscheiden sich nur im Weg zur Behandlung – nicht darin, was die Kasse bezahlt.
02Wie viel Prämie spare ich mit einem alternativen Modell?+
Je nach Kasse und Region liegt die Ersparnis meist zwischen 10 und 25 Prozent gegenüber dem Standardmodell. Den genauen Betrag für Ihr Profil zeigt unser Rechner – er vergleicht alle Modelle und Kassen Ihrer Prämienregion auf Basis der offiziellen BAG-Prämien.
03Was passiert, wenn ich den vereinbarten Weg umgehe?+
Das regelt das Reglement Ihrer Kasse: Je nach Kasse folgt zunächst eine Verwarnung, eine Kürzung der Leistungen oder die Umteilung ins teurere Standardmodell. Lesen Sie das Reglement vor dem Abschluss – dort stehen auch die Ausnahmen.
04Muss ich im Notfall zuerst die Hotline anrufen oder zum Hausarzt?+
Nein. Notfälle sind in der Regel vom Erstkontakt ausgenommen – ebenso meist gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen und der Augenarzt. Massgebend ist immer das Reglement Ihrer Kasse.
05Kann ich das Modell wechseln, ohne die Krankenkasse zu wechseln?+
Ja, der Modellwechsel ist ein Wechsel innerhalb Ihrer Kasse. In ein alternatives Modell können Sie je nach Kasse oft auch unter dem Jahr wechseln, zurück ins Standardmodell bei vielen Kassen auf den Folgemonat – die Details regelt das Reglement. Ein Kassenwechsel ist dafür nicht nötig.